Reise zum Kern der Kreativität

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Am Tag zuvor waren wir zum Kern der Kreativität gereist.
Jetzt wollten wir schauen, was braucht der Kern der Kreativität in uns um zu wachsen, was für ein Wissen der vier Fenster der Wahrnehmung (Denken, Sinne, Fühlen, Imagination) braucht es damit wir in unsere Weisheit kommen.

In Stevens Einleitung war schon eine Tür :
„Sage deinem Körper, deinen Wurzeln, deinem Rhythmus, allen deinen Gefühlen, deiner Lebendigkeit, dem Himmel : ich liebe dich !“

Meine Reise beginnt an meinem inneren Ort, einem kleinen See. Dort treffe ich mein Bauchtier, die weiße Wölfin. Ich grüße sie und sie sagt mir gleich sehr klar :
„Du brauchst mich um deine Kreativität zu leben !“

Ich frage sie, was das bedeutet und sie lädt mich ein, in das Wasser zu schauen.
Wir betrachten beide unsere Spiegelbilder im Wasser und die Wölfin beginnt sich zu verändern. Sie ist jetzt nicht mehr weiß, sondern grau, ihre liebevolle Art ist eher aggressiv, ihre Augen werden stechend gelb.
Mich selbst sehe ich als alternde Frau, die ihre körperliche Schönheit verliert – ich mag dieses Bild nicht ! Als ich das zur Wölfin sage, fordert sie : „Sage der Schönheit in dir : ich liebe dich !“
Das tue ich ohne jede Überzeugung.
Und so wird es nicht akzeptiert.
Deshalb muß ich so lange mein Spiegelbild im See betrachten und den Satz wiederholen bis mein innerer Widerstand aufgibt.
Da verändere ich mich : im See sehe ich statt mich  selbst den Vollmond.
„Ich bin deine Schönheit!“ antwortet er auf die Begrüßung. „Du kannst mich nicht immer sehen, mal bin ich voll und strahlend, mal klein, am Tag bin ich oft unsichtbar – doch auch wenn du mich einmal nicht siehst, bin ich immer da !“
Der schöne leuchtende Mond im Wasser fragt, ob ich jetzt die Schönheit in mir annehmen kann. Die Schwere und die Trauer über das Altern sind in mir verschwunden, ich fühl mich sehr wohl und sage mit Freude : „Oh ja, meine lunare Schönheit kann ich annehmen !“

Die Wölfin ist noch immer grau, sieht mir intensiv in die Augen und befiehlt mir  : „Sieh mich an !“ Der Befehl kommt immer wieder, denn es fällt mir schwer mich auf sie zu fokussieren. Lärm im Außen zieht meine Aufmerksamkeit noch mehr ab und ich sage ihr : „Ich kann es nicht!“
Als ich spüre, daß ich mich anspanne, versuche ich einfach anzunehmen, daß ich sie jetzt nicht mit aller Präsenz anschauen kann. Da kommt eine große Ruhe in mich.
Und in diese Ruhe sagt die Wölfin zu mir : „Dann komm in mich.“
Das fällt mir sehr leicht, ich bin in ihr, in ihrem Herzen. Da frage ich sie durch welche Fenster der Wahrnehmung ich meine Kreativität leben kann. Sie erinnert mich daran,daß ich Synästhesist bin, das  heißt, daß die Kreativität durch alle drei Fenster Fühlen, Sinne, Imagination kommt.  „Und das Denken?“ frage ich nach. Die Antwort kommt sehr schnell und klar : „Das Denken ist der FEIND deiner Kreativität !“

Dieser Satz beeindruckt mich sehr, ich bin immer noch im Körper, im Herzen der Wölfin und habe den Impuls, einmal nach meinem Tier des Denkens zu schauen .

Oben am Himmel kreist der Weißkopfseeadler schon über uns, mein Denktier. Und die Wölfin zeigt mir, wie er jede Art von Kreativität zerstört : viele Kaninchen springen über die Ebene und er stürzt sich auf sie und tötet ein Kaninchen nach dem anderen.
Ich sehe zu und fühle immer mehr Schmerz, immer mehr Ohnmacht.
Empört rufe ich dem Adler zu :“Warum tust du das ?“

Der Adler ist mißmutig und arrogant und beginnt mit seiner vernichtenden Kritik :
meine Kaninchen sind nichts wert; ich kann nichts, was andere nicht schon längst und viel besser können; ich bin nicht so wie „man“ sein sollte; er überschüttet mich mit allen Negativspiegeln, die mir schon im Leben begegnet sind.

Ich bin betroffen, diese Dinge von meinem Tier zu hören und spüre eine enorme Wut in mir, daß er die Kritik von der Außenwelt angenommen hat. Als ich ihm das sage antwortet er mir wieder sehr arrogant : „Du wolltest doch in dieser Gesellschaft überleben, das Denken hat dir dabei geholfen. Und überhaupt, ich konnte diese Normen nur übernehmen weil du mir die Erlaubnis dazu gegeben hast !“

Ich verstehe das sofort und erkenne darin meine Verantwortung.
Immer noch wütend aber mit großer Klarheit rufe ich : „Dann nehme ich die Erlaubnis jetzt zurück !!!“
Und im nächsten Moment ist der Adler ganz traurig und müde und verwandelt sich in einen Geier. Er sitzt nun auf einem toten Ast, am Boden liegt Aas.
Nun bin ich es, die ihn kritisiert : daß er ein „Aasfresser“ ist, sich nur von Totem ernährt und daß das Aas die Bewertungen von außen sind – „die nehme ich nicht mehr an !“
Ich bin nun wieder in meinem Körper, der Geier und ich sind uns direkt gegenüber, gleichermaßen frustriert und blockiert, keiner von uns beiden weiß, was jetzt helfen kann.
Da rufe ich meine Bitte um Hilfe in Richtung Himmel und aus dem sonnenhellen Himmel antwortet es : „Liebe und Vergebung sind immer richtig und hilfreich !“
So beginne ich zu vergeben : dem Geier und dem Adler, daß sie die fremden Werte übernommen haben, den vielen Stimmen und Quellen der Kritik, der „Gesellschaft“ und vor allem auch mir selbst, daß ich das zugelassen habe.
Alle Blockaden und Spannungen sind damit gelöst. Der Geier ist fort.

Neben mir steht nun meine Wölfin wie ich sie kenne : weiß , liebevoll und freundlich.
Sie möchte jetzt mit mir zum „Kern meiner Kreativität“, dem Vulkan im Meer, den ich am Vortag kennenlernte und der nun mein neues Wurzelchakratier ist.
Sie sagt, ich solle ihn noch besser kennenlernen.
Wir kommen zu der Vulkaninsel und ich spüre sehr bewußt wie weiblich die Energie des Vulkans ist.
Die Wölfin will mit mir um die Vulkaninsel herum rennen, dann würde er Zentimeter für Zentimeter immer weiter aus dem Meer aufsteigen. Wir rennnen, laufen, springen
über den Lavabach , den Abfluß , der verhindert, daß der Vulkan ausbricht und haben dabei richtig Spaß zusammen.
Sie lädt mich ein, den Vulkan mit allen meinen Sinnen zu erfahren. Ich betaste sein Gestein, streichle es, rieche es, schau es mir im Detail an.
Der Vulkan steigt wieder etwas weiter aus dem Meer auf und bekommt einen leichten grünen Flaum von erstem Pflanzenwachstum.

Ich fühle mich so wohl hier mit meinem liebevollen Tier auf dieser Insel !
Jetzt will die Wölfin mit mir hoch nach oben.
Wir sind  schnell oben und schauen in den See aus glühender Lava.
„Da war ich gestern drin !“ sage ich zu ihr. Noch einmal bin ich tief berührt davon, was ich dabei erlebt hatte. Ich spüre so eine Weite, eine Leichtigkeit und die Wölfin sagt dazu : „Ja, alle deine drei Fenster sind geöffnet!“ Und wieder frage ich darauf :
„Und das Denken?“
Vor mir, über mir fliegt jetzt ein kleiner goldener Ball mit kleinen Flügeln, der mich an   den „Schnatz“ aus den Harry-Potter-Filmen erinnert. Er glänzt wunderschön in der Sonne, flattert hin und her und sagt, daß  er jetzt mein Denktier ist.
„Du kannst weiter analysieren, strukturieren – dann, wenn du es brauchst. Von mir bekommst du deine spontanen Einfälle und Ideen, Inspirationen!“

Die Energie ist nun ganz hell,weit und leicht . Ich bin so dankbar und voll Freude, daß mir nun alle vier Fenster zur Verfügung stehen !

Die Wölfin und ich stehen oben am Abfluß der Lava und ich frage sie : „Wie lebe ich meine Kreativität konkret? Mit dem Schreiben, das mir gestern als wichtiger Abfluß gezeigt wurde – damit der Vulkan nicht explodiert?“

„Nicht nur!“ bekomme ich zur Antwort.“Das ist wirklich nur der Abfluß. Du hast ja schon angefangen, kreativ zu werden mit dem Stricken !  Male !!!
Male Farben, du liebst doch die Farben so sehr!“
Ich sehe nun viele Farben, es ist so schön ! Ich soll, kann, darf malen !

Dann wird mir meine Arbeit als Therapeutin/Heilpraktikerin gezeigt :
„Du kannst deine Kreativität voll ausleben : du kannst mit deinen Patienten sprechen, mit ihnen malen, mit ihnen reisen, ihre Körper behandeln :“

Ich bin überwältigt. Es wird mir so klar was für ein großer offener Raum mir zur Verfügung steht.
Mein Bewußtsein steigt immer mehr auf, ich schwebe über der Insel, bin ganz leicht und weit.

Da sehe ich den Ozean um meine Insel, er ist so groß und unbegrenzt, leuchtend in der Sonne.
„Der ganze Ozean gehört zu deiner Kreativität !“    Danke!
„Und der blaue lichterfüllte Himmel! Auch er gehört zu deiner Kreativität!“ Danke!

Es wird Nacht, ich sehe den Vollmond über dem Meer, die Sterne und spüre den Kosmos : „Das alles gehört zu deiner Kreativität !“

Meine Perspektive ist nun von weit weit oben, in mir spüre ich eine lange nicht mehr gefühlte Lebendigkeit,  tiefste Dankbarkeit und Frieden.

DANKE

Susanne Olivia Fay
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